Problemstellungen

Steifigkeit

Offensichtlich hatte man in Visby vor 30 Jahren noch keine genaue Vorstellung welche Kräfte in einem GFK-Rumpf aufreten und wie man diese kompensiert und verteilt.
Glücklicherweise hatte die schwedische Werft beim Bau des Rumpfes aber so hervorragend gearbeitet, daß es bis zu unserem Eingreifen zu keinerlei delamination gekommen war. Selbst ein vom Voreigner mitten ins Vorschiffs-Deck gebolztes Pad-Eye (Spinnaker-Niederholer) konnte das unverstärkte Sandwich-Laminat nicht "kleinkriegen".
Dennoch: Die Steuerbordhälfte des Brückendecks hing einfach in der Luft, unter den Laufdecks waren nur kleine, unnütze Borde.
Vorschiff und Decksaufbau sollten ohne zusätzliche Stringer oder Decksbalken auskommen.
Bis auf die Formteile im Salon waren kaum aussteifende Elemente zu finden.
All das führte dazu, daß sich das Boot stark verwand und auf das Rigg kein gleichbleibender Druck zu bekommen war. Der Bootsrumpf war zu weich.
Erst nachdem alle Schotten anlaminiert waren und wir diverse zusätzliche Bauteile für die Festigkeit einbauten, bekamen wir dieses Problem in den Griff.

 

Püttinge

Schon unsere erste Tour offenbarte Probleme mit den Püttingen - sie arbeiteten sich einfach aus dem Deck.
Die kleinen Knie, die unter Deck einlaminiert waren konnten die Last nicht ausreichend aufnehmen/verteilen. Deshalb verstärkten wir erst die vorhandenen Knie mit E-Glass- und Kohlefaser-Tapes, bauten Unterzüge aus Dyneema mit einem Wantenspanner ein und setzten später noch zusätzliche grössere Knie, die an die Aussenhaut laminiert wurden und mit nachträglich eingebauten Decksbalken verbunden sind

 

Ruderlager

Von Beginn an hatte das Ruderlager auffallend viel Spiel. Eine genauere Überprüfung ergab, das unser Voreigner schon erfolglos, einige Versuche unternommen hatte, dies zu unterbinden. Baute man das Ruderblatt gemäß Werft ein, entstand ein ca. 5 cm breiter Spalt zwischen Ruderblatt und Rumpfund wir entschlossen uns, das gesamte Ruder auszubauen.
Durch den durchgehenden Ruderkoker und den langen Ruderschaft muß das Ruderblatt bis zu 1,5m abgesenkt werden um es auszubauen.
Hierfür muß die gesamte massive Bronzehacke (die untere Führung) ebenfalls abgebaut werden um das Blatt leicht geneigt auszubauen.
Wir haben eine 45 mm dicke Platte aus geschlossenporigem Schaum oben auf das Blatt geklebt und anschliessend überlaminert um den grossen Spalt zu minimieren.
Bis heute setzen wir Delrin-Ringe ein um das Spiel zu minimieren, was nur bedingt Abhilfe schafft.
Vermutlich werden wir uns bei einem Metallbauer neue Beschläge anfertigen lassen müssen.

 

Fallwinschen

Durch die Verwendung von modernem Dyneema-Tauwerk in Verbindung mit Kevlar-Segeln entstanden ganz andere Lasten. Das Voll-Laminat im Bereich der Fallwinschen war für den starken Zug nicht ausgelegt, zumal rund um den Niedergangsausschnitt einfaches Sperrholz eingesetzt war, welches über die Jahre Wasser gezogen hatte. Die Backbord-Winsch wurde noch durch das dirket darunter stehend Naßzellen-Schott gestützt, Steuerbord hob sich allerdings das gesamte Deck an. Das nasse Sperrholz musste raus und auch hier mussten zusätzliche Verstärkungen von unten einlaminiert werden. Außerdem wurde das Naßzellen-Schott komplett anlaminiert.

 

Schotten

Keines der Schotten, nicht einmal das Hauptschott zum Vorschiff war anlamaniert. Es war mit Schloss-Schrauben an einen anlaminierten Flansch gebolzt. Im Laufe der Jahre waren durch die Schiffbewegung diese Bolzenlöcher lang geworden und war somit für die Festigkeit nutzlos.
Sämtliche Schotten mussten beidseitig freigelegt und abgezogen werden um sie an den sauber verarbeiteten Rumpf zu laminieren.
Abgesehen von der unglücklichen Raumaufteilung zwischen Pantry, Schrank und Achterkoje bereitete uns das an Steuerbord frei in der Luft hängende Brückendeck Sorgen. Deshalb verlängerten wir das Schott unter der Niedergangstreppe bis an die Aussenhaut um mehr Struktur in den Innenausbau und Stabilität in in Rumpf und Deck zu bekommen. Die Kojenauflage dahinter wurde verbreitert, so daß eine durchgehden Fläche hinter dem Schott entstand.

In der Anfangsphase wunderten wir uns über ein ständig nasses Polster achtern, bis wir sahen daß sich die Kojenauflage achtern bis in die Backskiste als Zwischenboden erstreckt und das Trennschott stumpf darauf stösst. Legt man nun etwas Nasses in die Backkiste, läuft das Wasser auf dem Zwischenboden unter dem Trennschott hindurch unter/in das Polster...

 

Innenausbau

Als klar wurde, das wir umfangreiche Laminierarbeiten praktisch überall im Rumpf vornehmen müssen, war auch das Schicksal für den Großteil des Innenausbaus besiegelt.
Lieblos zusammengeschraubte Sperrholzplatten stellten Schränke dar. Eine völlig nutzlose Anordnung von offenen, schmalen Borden zierte den Salon. Skandinavische Bootbaukunst - Fehlanzeige.
Kaum etwas in der Aufteilung oder deren Ausführung schien seegerecht oder praktisch. Sämtliche Schränke und Schapps endeten 10-12 cm unterhalb des Decks - das ging nicht nur auf Kosten der Festigkeit, sondern führte zu verschenktem Platz und zahllosen "Wühlecken".
Das Schott zwischen Salonbank und großzügiger Naßzelle wurde werftseitig vor das lange Aufbaufenster gestellt (spätere Baunummern haben deshalb zwei kleinere Fenster).
Somit stand für uns auch eine Neugestaltung der Naßzelle ausser Frage, zumal auch hier alles nur lose eingeschraubt war und der völlig sinnlos verbaute 30 Liter VA-Fäkalientank (ohne erkennbare Funktion) ohnehin unter dem Waschtisch raus musste.

 

Leckagen, Deckenpanele und "Elefantenhaut"

Wenn man ein leergeräumtes Schiff besichtigt und es "müffelt", obwohl alle Luken und der Niedergang offen sind, gibt es wohl einige Undichtigkeiten und Spak-Ecken.
In unserem Fall hattte der betagte Eigner jahrelang nicht bemerkt, das durch einige Beschläge und den Deckslüfter das Wasser von innen auf die Deckenpaneele lief und dort bereits Leben entstanden war. Alles hatte einen strengen Geruch angenommen.
Der mit geschäumtem Kunstleder, "Elefantenhaut", beklebte Teil der Aussenhaut löste sich ohnehin schon in den Ecken ab - ein Problem, welches augenscheinlich viele Alpha-Eigner kennen.
Die müffelige Beklebung haben wir inzwischen fast vollständig entfernt, der verwendete, teuflische Kleber hält definitiv besser an GFK als am Schaum und muß mit P40 Körnung abgeschliffen werden.
Auf den Einbau von neuen Deckenpaneelen haben wir verzichtet, auch um die Dichtigkeit der Beschläge im Blick zu behalten. Sämtliche Flächen sind nach dem Schleifen mit 2K-Lack in Weiss gestrichen.
Nach mehreren Versuchen mit Lüftern unterschiedlichster Bauart, haben wir das Loch im Deck schlußendlich zulaminiert.
Das trotz so vieler Leckagen das Sandwich-Laminat im Deck an keiner Stelle delaminiert ist oder Wasser gezogen hat, ist ein weiterer Beleg für die hohe Qualität des Rumpfes.